Erfahrungsberichte

Alle guten Dinge sind drei

Susanne und Bernhard haben schon ihren dritten Patenhundaus dem Alltag einer Patenfamilie für künftige Blindenführhunde
Susanne und Bernhard sind verheiratet und leben in einer Doppelhaushälfte in der Nähe von Neuburg. Bei ihnen wohnt seit einigen Monaten Hund Jerry. Er ist bereits der dritte Patenhund in der Familie.
Angefangen hat alles mit der Idee der beiden, sich einen Hund zuzulegen. Doch Zweifel waren schon da: Was ist, wenn ein Hund doch nichts für uns ist?
Ganz zufällig sind sie beim Zeitunglesen auf eine Anzeige gestoßen. Hier suchte die Blindenführhundschule Seitle Patenfamilien, die einen Welpen sozialisieren, bevor er als Blindenführhund ausgebildet werden kann. Das klang interessant.

Einige Wochen später war die Anzeige erneut in der Zeitung. Ein Besuch auf der Internetseite der Blindenführhundschule und ein Anruf brachten mehr Informationen zum Thema Patenschaft: Erfahrungen mit Hunden und dem Umgang mit Welpen sind zwar wünschenswert aber nicht erforderlich, man muss zur Hundeschule und es entstehen keinerlei Kosten. Selbst Futter und Tierarztkosten werden von der Blindenführhundschule übernommen.
Nach einem Besuch vor Ort war wenige Tage später der erste Hund eingezogen. Ein Name war auch schnell gefunden: Mogli.

Jerry der blonde LabradorwelpeDa Susanne vom heimischen Schreibtisch aus arbeitet, kann sie die Patenschaft gut mit ihrer beruflichen Tätigkeit vereinbaren, denn so ein Welpe erfordert gerade in den ersten Wochen permanente Aufmerksamkeit. Sie sind häufig anstrengend und brauchen viel Liebe, Konsequenz und Geduld. Inzwischen kennen sich Susanne und Bernhard hier richtig gut aus, denn nun lebt Jerry bei ihnen. Bereits der dritte Patenhund. Der blonde Labrador begleitet den Alltag seiner Menschen. Am Anfang ist da insbesondere die Stubenreinheit.  Man muss auch achtgeben, ob der Kleine auch keinen Unfug anstellt. Alles was der Hund anknabbern kann, muss weggeräumt werden. Rausgehen fast rund um die Uhr und bei jedem Wetter ist inzwischen für Susanne und Bernhard eigentlich schon normal, frei nach dem Motto: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung!“.

Patenhund Mogli, ein weißes KnuddeltierNatürlich gehört auch die Fellpflege zu den Aufgaben einer Patenschaft.
Das Aufwachsen der Welpen zu erleben, ist wirklich süß.
Regelmäßig treffen sich die Paten in der Blindenführhundschule zur Hundeschule. So kennt auch die Blindenführhundschule den Entwicklungsverlauf des Hundes und kann gegebenfalls unterstützen. Susanne empfindet den Kontakt zu den Trainern der Blindenführhundschule als große Bereicherung und fühlt sich gut begleitet und beraten. Gerade für Leute wie Susanne und Bernhard ohne jede Hundeerfahrung ist es wichtig, immer kompetente Ansprechpartner für alle Fragen rund um den Hund zu haben. Es entstehen aber auch nette Kontakte zu den anderen Patenfamilien, sowie zu vielen anderen Hundebesitzern in der Umgebung. Sollten Susanne und Bernhard aus verschiedenen privaten Gründen eine kurze Zeit lang den Welpen nicht betreuen können, gibt es die Möglichkeit, ihn in die Blindenführhundschule – wie in eine Hundepension – zu bringen, wo er liebevoll betreut wird, bis seine Paten wiederkommen.

Nach einem Jahr war es dann soweit: Mogli zog wieder aus und für ihn begann nun der „Ernst des Lebens“ in Form seiner Ausbildung zum Blindenführhund bei einer Trainerin der Blindenführhundschule Seitle. Bei Susanne und Bernhard entstand erst einmal eine große Leere in der Doppelhaushälfte. Der Entschluß, gleich wieder einen zweiten Patenhund einziehen zu lassen, fiel daher leicht. Benny hat die Leere auch schnell wieder gefüllt.

Bisher hatten Susanne und Bernhard in ihrem Leben keinen Kontakt zu blinden Menschen. Das wurde durch die Patenschaft anders. Sie lernten Moglis neuen Menschen kennen, als dieser seinen Hund in der Blindenführhundschule erhielt. Dieses Treffen war sehr wichtig für Susanne und Bernhard, sie wissen: „Mogli geht es gut und er erfüllt seine Aufgabe mit sehr viel Stolz und Fürsorge.“ Bennys neuen Menschen durften sie ebenso schon kennenlernen und sich überzeugen, dass es Benny gut gehen wird.

Auch einige andere blinde Menschen lernen die beiden kennen und sind wirklich fasziniert, wie sehr eine Partnerschaft zwischen der blinden Person und dem Hund entsteht. In der Patenfamilie wird nämlich der Grundstein zur positiven Ausbildung des Hundes gelegt. Aber auch ein anderer Gedanke ist dadurch sehr präsent geworden: Jeder Mensch kann von heute auf Morgen blind werden. Seitdem achten sie viel mehr auf ihre Umgebung und engagieren sich im Verein Deutsche Blindenführhundhilfe e. V. in Neuburg. Der Verein wurde in diesem Jahr gegründet und im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Begleitung und Betreuung der Patenfamilien.

Die Trennung von Jerry wird Susanne und Bernhard auch wieder sehr schwer fallen. Sie möchten Jerry aber erleben, wie er eine erblindete Person im Straßenverkehr unterstützt. Denn schließlich wussten sie ja bevor sie in die Patenschaft einwilligten, dass der Hund zum Blindenführhund ausgebildet wird. Dieses Ziel vergessen sie nie. Für die beiden ist die Patenschaft ein großes Geschenk – und die Entscheidung für einen Hund sowieso!