Blinde Menschen und ihre Hunde

Eine besondere Partnerschaft: Mein Blindenführhund und Ich

Im Bayrischen Wald lebt Ilona gemeinsam mit ihrem Lebenspartner und ihrem Blindenführhund Larry. Ilona ist 51 Jahre jung und ist berufstätig.

Larry ist ihr zweiter Blindenführhund. Er begleitet sie zur Arbeit und ist bei den Kollegen sehr beliebt.

larry sitzt auf einer Wiese und trägt seine Kenndecke

Im Alter von vier Jahren erblindete Ilona und sie erlernte wie jeder blinde Mensch das Orientieren mit dem Blindenlangstock. Sie ist mit Hunden aufgewachsen. Also war spätestens 1992 klar, ein Blindenführhund kommt ins Haus. Denn das Gehen mit dem Blindenlangstock wurde immer mehr zur Qual. Sie tastete sich von Hindernis zu Hindernis und musste sich auf ihre Umgebung sehr konzentrieren. Die Mitmenschen waren zwar immer hilfsbereit, doch engere Kontakte ließen sich nicht knüpfen. Hinzu kam die große Angst sich an Hindernissen zu stoßen, die sich im Bereich des Kopfes befanden.

Schließlich kontaktierte sie den Referenten für Blindenführhunde vom Blindenverband. Hier wurde Ilona empfohlen, sich mehrere Blindenführhundschulen anzuschauen. Das tat sie auch und lernte die Blindenführhundschule der Familie Seitle kennen. Dort gefiel es Ilona auf Anhieb und sie bekam auch ihren ersten Hund aus dieser Schule. Nun begann eine aufregende Zeit. Da war zuerst der Einarbeitungslehrgang. Zwei Wochen verbrachte Ilona im Umfeld der Blindenführhundschule. In ruhiger Umgebung wurde das gemeinsame Training absolviert. Von Tag zu Tag wurde das Pensum immer mehr gesteigert. Nie so, dass sich das Gespann überfordert fühlte. Nach dem zweiwöchigen Training ging es in die Heimat von Ilona. Hier wurden die alltäglichen Wege geübt. Der Arbeitsweg, zum Hausarzt und verschiedene Läden waren die ersten Ziele.

Larry führt Ilona aus einer Bäckerei

Es begann für Ilona ein sehr schöner Lebensabschnitt. Ihre Angehörigen und Freunde freuten sich über den neuen Familienzuwachs. Ilona fühlte sich frei und unabhängig von ihrer sehenden Umwelt. Sie erkundete fremde Wege, genoss das Spazierengehen in den Parkanlagen.

 

Wurde ihr der Zutritt mit ihrem Blindenführhund nicht gestattet, so ging sie ins Gespräch mit den Ansprechpartnern der jeweiligen Einrichtung. Ihr ist es wichtig fremden Personen die einem Blindenführhund gegenüber skeptisch sind erst einmal Wissen zu vermitteln und meistens werden die Menschen dann aufgeschlossener. Sie gestatten ihr dann den Zutritt und unterstützen sie in ihrem Alltag. Doch leider haben nicht immer Menschen Verständnis für die Mitnahme des Blindenführhundes. Dann lohnt es sich doch mal mit Vertretern der Presse zu sprechen.

Sachliche Auseinandersetzungen findet sie konstruktiv. Gerade wenn sie Ausflüge plant, um Sehenswürdigkeiten in anderen Städten zu erkunden muss Ilona dies immer vorher anmelden. Denn nicht jedem ist bewusst, dass ein Blindenführhund auch Museen oder Schlösser betreten darf. Die langwierige Planung nervt sie oft. Spontane Unternehmungen sind daher schwierig.

Die Angst sich wieder blaue Flecke zu holen verschwand völlig. Sie vertraute sich der Führung ihres ersten Hundes an. Schnell knüpfte sie Kontakte zu anderen sehenden Hundebesitzern. Es wurden Freundschaften geschlossen. Gemeinsam werden Ausflüge unternommen, die Gegend wird erkundet und die Hunde spielen und toben. Die meisten ihrer Freunde sind nun Hundebesitzer.

Die Zeit mit dem ersten Hund verging wie im Flug.

Seine Pensionszeit verbrachte er bei Ilona und durfte auch daheim einschlafen. Nun erfüllte eine große Traurigkeit das Herz von Ilona . Ilona wollte diesen Schmerz des Abschieds nicht noch einmal erleben. Sie ging wieder mit dem Stock nach draußen. Das Orientieren viel ihr wieder sehr schwer. Sie zog sich immer mehr zurück und ging nur noch vor die Tür wenn es wirklich nötig wurde.

Schließlich war die Sehnsucht nach einem Hund so groß, dass sie den Entschluss faste einen zweiten Führhund einziehen zu lassen. Also kontaktierte sie die Blindenführhundschule ihres Vertrauens. Bereits einige Zeit später zog Larry bei ihr ein. Sie hätte nie gedacht, dass sie es schafft sich wieder auf einen neuen Hund einzustellen. Doch als sie Larry das erste Mal kennenlernte, war es Liebe auf den ersten Blick. Ihre Entscheidung bereute sie nie.

larry liegt auf einer blumenwiese

Ilona faste mehr Vertrauen zu sich selbst. Ihre Lebensqualität steigerte sich sehr. Die vielen Unternehmungen an der frischen Luft und die Sicherheit die ihr der Hund gibt kann man mit einem Stock nicht einmal annähernd erreichen.

Larry ist von seiner Trainerin in der Blindenführhundschule aufgezogen worden. Doch wenn der Hund in einer Patenfamilie aufgewachsen wäre, hätte sie gern die Patenfamilie kennengelernt. Ilona findet den Kontakt zur Patenfamilie wichtig. So gibt es einen Austausch und es ist ja spannend zu erfahren, wie der vierbeinige Freund als Welpe war.

Hier ist es wichtig sich die in Frage kommenden Blindenführhundschulen genau anzusehen. Sich zu informieren und dann die Zeit mit dem Hund genießen. Ein Blindenführhund ist nicht nur eine Hilfe im Straßenverkehr. Die Partnerschaft ist das Wichtigste. Der Hund muss neben seiner helfenden Tätigkeit viele Möglichkeiten zum Spielen, Toben und Entspannen haben.