Ausbildung

Wissenswertes über künftige Blindenführhunde

Ein sehr wichtiger Punkt ist die zielgerichtete Aufzucht der Welpen.

Wir arbeiten mit ausgewählten und erfahrenen Züchtern zusammen. Die Auswahl der Welpen erfolgt durch einen Welpentest im Alter von ca. 7 Wochen. Mit ca. 8 bis 10 Wochen beginnen die Welpen ihren neuen Lebensabschnitt in der Patenfamilie. Diese kümmert sich unter unserer fachgerechten Anleitung um die zielgerichtete Aufzucht der Junghunde bis zu einem Alter von ca. 1 bis 1 ½ Jahren. In dieser Zeit wird der kleine Hund stubenrein, lernt seine Umwelt spielerisch entdecken und geht durch die Pubertät.

zwei Labaradorwelpen liegen im Gras

Die Paten bereiten den jungen Hund zielgerichtet auf seine zukünftigen Aufgaben vor. Sie machen ihn vorsichtig bekannt mit verschiedenen Umgebungen, auch Fußgängerzonen und Einkaufszentren sowie öffentlichen Verkehrsmitteln.

Bevor die Hunde die Ausbildung beginnen, werden sie einem intensiven Gesundheitscheck inkl. Röntgen von Hüftgelenken,

Ellenbogen, Wirbelsäule sowie einem mehrtägigen Wesenstest unterzogen, bei dem u.a. ihr Temperament und ihre Belastbarkeit beurteilt werden.

Ein zukünftiger Blindenführhund sollte u.a. ein ausgeglichenes, offenes und freundliches Wesen haben, über eine hohe Reizschwelle verfügen, verkehrssicher sein, keine übermäßige Scheu vor Unbekanntem haben, weder Angst, übermäßige Ablenkbarkeit, noch Aggression zeigen gegenüber Kindern und Fremden, Artgenossen und anderen Tieren sowie Arbeitsfreude mitbringen.

Das Training der Hunde und die Schulung der Blindenführhundgespanne erfolgt nach den Bestimmungen der „Qualitätskriterien zur Auswahl, Ausbildung und Kostenübernahme für Blindenführhunde“, veröffentlicht im Bundesanzeiger vom 29. Juni 1993 und entsprechend den jeweils gültigen  Standards der „International Guide Dog Federation (IGDF)“.

Führhundhalterin steigt in Begleitung der Trainerin in die Strassenbahn

Unsere in der Ausbildung befindlichen Hunde leben, in unserem Haus und sind in den Tagesablauf integriert.

Neben dem täglichen Training zum Blindenführhund sollen die Ausbildungshunde, wie später beim Führhundhalter, ein Leben als Familienhund führen, in der Freizeit mit Artgenossen spielen und die notwendige Zuwendung erhalten, die für ihre gesunde Entwicklung notwendig und wichtig ist.

Der Aufbau des Blindenführhundtrainings erfolgt nach dem Prinzip: vom Einfachen zum Komplizierten.

Der langfristige Lernerfolg wird gesichert, indem die individuellen Stärken des Tieres, die für das Training wichtig sind, gezielt gefördert werden und der Hund motiviert wird, richtige Entscheidungen bei der Führarbeit zu treffen, die durch verschiedenste Arten der Belohnung positiv verstärkt werden.

Ein Grundanliegen der Blindenführhundausbildung ist, den Hund, entgegen dessen instinktiver primärer Nutzung von Geruch und Gehör, umzustellen auf das räumliche Sehen und die Wahrnehmung und das Umgehen von Hindernissen, die nicht nur ihn selbst behindern, sondern auch den neben ihm laufenden Menschen, d.h. zu lernen, sich und den Menschen als eine Einheit zu betrachten.

Die Ausbildungszeit beträgt 6 bis 9 Monate.

Führhund zeigt Briefkasten an

Auch in großen Städten wie Berlin, Erfurt und München werden diese Hunde geschult.

Sie lernen 32 Hörlaute. Ein Teil davon sind Gehorsamshörlaute, die dem Gebrauchshundetraining entnommen sind. Der andere Teil sind die spezifischen Arbeitshörlaute der Blindenführhundausbildung.

Das Blindenführhundtraining umfasst folgende Leistungen, die der Hund am Ende der Ausbildung erbringen soll:

 

 

 

  • Das gerade Führen mit angenehmem Zug im Führgeschirr sowie das Abbiegen nach rechts/links, sowie die Kehrtwendung
  •  Das Anzeigen der Bordsteinkante ab- und aufwärts
  • Die gerade und zügige Straßenüberquerung
  •  Das Führen auf Straßen ohne Bürgersteig
  •  Das selbständige Umlaufen bzw. Anzeigen von Seiten-, Boden- und Höhenhindernissen
  •  Das Führen bei starkem Lärm sowie ohne zu schnuppern, zu markieren , zu versäubern
  • Das Führen bei spezifischen Gerüchen z.B. vorbei an Bäckerei und Fleischerei
  •  Das Vorbeiführen an Personen, die den Hund begrüßen möchten
  •  Gehorsam und Versäubern an der Leine und im Freilauf
  •  Das Vorbeiführen an Artgenossen und anderen Tieren z.B. Katzen und Vögeln
  •  Das Führen bei verschiedenen Tempi nach Aufforderung
  •  Das Führen in der Dämmerung und bei Dunkelheit
  • Das Führen in Wald und Flur
  • Das Suchen und Anzeigen von Ampeln, Zebrastreifen, Treppen auf- und abwärts, einem Briefkasten, Schaltern z.B. in Banken, Eingang /Ausgang, einer Sitzgelegenheit
  •  Das Ein- und Aussteigen, das Sitzplatzaufsuchen und ruhige Verhalten in öffentlichen Verkehrsmitteln
  •  Das Verweigern des Weiterlaufens bei Gefahr z.B. an Baugruben und Bahnsteigkanten (Abgrundverweigerung)
  •  Das Nachfolgen von Personen nach Aufforderung z.B. in Kaufhäusern und Supermärkten
  •  Das Verweigern der Rolltreppe und Anzeigen und Benutzen des Fahrstuhls
  •  Ruhiges und geduldiges Verhalten in Räumlichkeiten, z.B. Restaurants, öffentlichen Einrichtungen sowie in Menschenansammlungen, z.B. in Fußgängerzonen u.Einkaufszentren
  •  Am Ende der Ausbildung werden mehrere Blindgänge mit dem Hund unter der Dunkelbrille durchgeführt.

Auch die Freizeit kommt für die Hunde nicht zu kurz.

Wir unternehmen Sparziergänge und Wanderungen , bei denen die Hunde ausgelassen spielen und toben können.

Unser Alltag mit den Hunden ähnelt dem beim Führhundhalter. Wir gehen z.B. während der Ausbildung auf den Wochenmarkt zum Einkaufen oder spielen mit dem Hund im Park.